Ortsgemeinde Reichweiler
 

Geschichte

Vor und Frühgeschichte, Römerzeit

Die Gegend um Reichweiler ist uraltes Siedlungsgebiet. Funde aus prähistorischer Zeit bezeugen dies. Eine Pflugschar aus der jüngeren Steinzeit, etwa 4 000 Jahre alt, gefunden auf der Gemarkung des Nachbarortes Schwarzerden, ist beredtes Zeugnis dafür. Häufige Funde aus der Früh- Latène (5. - Mitte 3. Jhd.) und Trevererzeit auf den Gemarkungen von Schwarzerden und Reichweiler hinter dem Mithrasdenkmal, v.a. in Form von Urnen, Leichenresten, Kriegsutensilien, zum Beispiel Schwertspitzen, Schildbuckel, täglichen Gebrauchsgegenständen, lassen, wenn auch nicht gut erhalten, auf eine mehr oder weniger sesshaftere Bevölkerung jener Zeiten schließen. Mehr Licht in das Dunkel der Geschichte erhalten wir durch zahlreiche Funde aus der Römerzeit, die auf den gleichen Gemarkungsteilen gefunden wurden. Eine Steinfigur, den römischen Schmiedegott (Vulkanus) darstellend, befindet sich im Saarländischen Landesmuseum in Saarbrücken. Sigellatagefäße, Tonkrüge, eine Weinkelle u.ä. wurden während Ausschachtungsarbeiten in den 20-er und 30-er Jahren gefunden. Eine Besonderheit stellt wegen seiner nicht allzu häufigen Verbreitung, v. a. wegen des bis weit ins Abendland vordringenden, von römischen Legionssoldaten angenommenen Götterkultes (etwa 1.Jhd. n. Chr.) das Mithrasdenkmal dar. Es ist ein Kultbild, das ursprünglich als Tempelteil zu einer römischen Siedlung gehörte. Auf einem fliehenden Stier reitet der persische Gott (die Personifizierung des himmlischen Lichtes) Mithras, dem Stier das Messer in den Hals stoßend, begleitet von Löwe, Hund, Schlange und Skorpion. Darüber Sonnengott und Mondgöttin im Halbkreisbogen. Der den Stier tötende Jüngling steht zwischen der Gottheit des ewigen Lichtes (Ahuramazda, Figur mit erhobener Fackel), und der der Finsternis, Ariman (Gestalt mit gesenkter Fackel) so jedenfalls nach Meinung der Mithrasforscher und -deuter dieses Kultes. Ähnlichkeiten mit dem Christentum sind unverkennbar. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die reichhaltigen Funde sowohl aus der Kelten- als auch der Römerzeit, also auch das Mithrasdenkmal, siedlungsmäßig eindeutig zum Nachbarort Schwarzerden zuzuordnen sind und nur durch eine wohl im Mittelalter vorgenommene willkürliche Grenzziehung sich heute auf der Gemarkung von Reichweiler befinden. Grenze zwischen beiden Gemarkungen ist der Weißwieser- , später Pfeffelbach genannte Wasserlauf.

Mittelalter

Die fränkischen Könige teilten ihr Reich in Gaue ein (Gau = pagus. An der Spitze stand als Verwalter der Gaugraf). Mehrere Gaue wurden zu einer Provinz oder einem Herzogtum vereinigt. Das Dorf Reichweiler lag unmittelbar an der Grenze von zwei Herzogtümern und vier Gauen. Es gehörte zum Nahegau im Herzogtum Franken. Demnach sollte man annehmen, dass Reichweiler zur Grafschaft Veldenz gehörte. Eine der ersten urkundlichen Erwähnungen aus dem Jahr 1273 bezeugt aber die Zugehörigkeit zu den Grafen von Blieskastel. Wie es dazu kam, lässt sich urkundlich nicht belegen, aber vielleicht folgendermaßen erklären: Durch die Ablösung der römischen Geldwirtschaft in die germanische Naturalwirtschaft versprach nur der Grundbesitz Reichtum und Macht. Grund und Boden wurden aber nicht nur von weltlichen Herren, sondern auch von der empor blühenden Kirche begehrt. So ist es nicht verwunderlich, dass wir in unserer unmittelbaren Heimat sowohl geistliche als auch weltliche Territorien vorfanden. Unsere Heimat gehörte größtenteils geistlichen Herrschaften, die aber ihre Besitzungen als Lehen oder Vogteien an weltliche Herrscher abtraten. Die für unsere Gegend zu Bedeutung gelangten Erzbistümer bzw. Bistümer waren u.a. das Erzbistum Reims (vor allem Remigiusland) und das Bistum Verdun. Zu letzterem gehörte das Kloster Tholey mit weiten Besitzungen.

Eine der ältesten Urkunden aus der frühen Frankenzeit ist die vom 30.12. 634. Paulus, der Abt des Klosters Tholey und Nachfolger des Heiligen. Wendelinus, wurde 631 Bischof von Verdun. Er erhielt durch Testament von dem fränkischen Adligen Adalgisel - Grimo, große Ländereien um Tholey und weiterer Umgebung (St. Wendel, Baumholder) als Eigentum geschenkt, welche der Verduner Bischofskirche anvertraut wurden. Zu dieser Schenkung gehörte wohl auch das Dorf Reichweiler mit seiner Gemarkung. Neben den geistlichen Territorien bildeten sich im Lauf der Jahrhunderte auch eine Vielzahl von weltlichen Herrschaftsgebieten. Die beiden für Reichweiler bedeutsamen waren die Grafschaft Veldenz und die Grafschaft Blieskastel Nachdem in den Reichsteilungen von 843 und 870 die geistlichen Territorien von Reims und Verdun im Westrich dem Deutschen Reich zugeteilt worden waren, versuchten weltliche Herren der angrenzenden Landschaften, sich des Bischofslandes zu bemächtigen. Durch Kauf und Teilung (die beiden Söhne des Nahegaugrafen Emich V., Emich VI. und Gerlach teilten sich zwischen 1112 und 1146 die Verdun'schen Lehen und das Remigiusland auf) kam das Remigiusland als Lehen an Graf Gerlach I. von Veldenz. Reichweiler im Grenzbereich zum alten Verduner Besitz wurde aber wohl abgetreten an die Grafen von Blieskastel. Nur so lässt sich erklären, dass die Gräfin Elisabeth von Blieskastel und Bitsch im Jahr 1273 das Dorf Reichweiler (ebenso Bubenhausen, heute in die Stadt Zweibrücken eingemeindet) mit allem Zubehör, dem Kloster Wörschweiler schenkte.

Ein wichtiger Tag für Reichweiler war der 26. Mai 1462. ("Tag nach St. Urbanstag") Damals hielt der Gerichtsherr, "Herr Niclassen, Apten zu Werßweiller, zu Reichwiller" einen Gerichtstag (Weistum) ab. Es ging u. a. um folgende Dinge: Grenzen des Gerichtbezirks, Recht und Befugnisse des Gerichtsherrn, Vergehen und ihre Bestrafung.

Auch nach der Besitzübergabe durch Gräfin Elisabeth von Blieskastel dauerten Güterübertragungen an das Kloster Wörschweiler an. Solche erfolgten z.B. durch eine Erben-Gemeinschaft am 16. Mai 1303 (18 Personen werden genannt, Fläche insgesamt 50 Fuß, Preis 45 Schilling Heller) und 1421 durch zwei Eheleute. Die Insassen des immerhin 35 Kilometer (Luftlinie) entfernten Klosters konnten ihren gesamten Besitz in Reichweiler nicht selbst bewirtschaften. Sie gaben ihn als Lehen weiter. So empfing am 29. August 1431 "Henichin Wolf von Spanheim vom Grafen Friederich v. Veldentzen" u. a. "die halben Güter" die Erbschaft und die Leute zu Richwilr", verpfändet sie bereits wieder zwei Tage später zurück, doch sieben Jahre später (2. Oktober 1438) wurden sie an die Veldenzer verkauft. Auch nichtadelige Lehensträger werden genannt, so z.B. der St. Wendeler Amtmann Peter Glock (1500), Georg Trompeter (1527) und Urban Zol (1541).

Neuzeit

Auch das Kloster Tholey war in Reichweiler begütert. Am 29. Mai 1700 erwarb die Abtei Tholey gewisse Zinsen zu Reichweiler von einem Herrn von Günderode, pfalz-zweibrückischer Amtmann wohnhaft auf der Burg Lichtenberg.

Nach den o.a. recht verworren erscheinenden Zugehörigkeitsverhältnissen liegen diese für die Folgezeit klar auf der Hand. Nach Aufhebung des Klosters Werschweiler (heute Wörschweiler)wurde Reichweiler im Jahre 1559 dem Oberamt Lichtenberg im Herzogtum Zweibrücken angegliedert. Innerhalb des Oberamtes Lichtenberg bildete es einen Teil des Nieder- oder Schultheißenamtes Konken.

Neueste Zeit

1792 drang ein Revolutionsheer unter Custine in die Pfalz ein. Noch im selben Jahr wurde auch das Oberamt Lichtenberg von den Franzosen besetzt. Am 23. Januar 1798 wurde das linke Rheinufer nach französischem Muster neu aufgeteilt. Reichweiler gehörte fortan zur Mairie Bourglichtenberg, dem Canton Coussel (Kusel), dem Arrondissement Birkenfeld und dem Département de la Sarre (Saar). Während und nach den Befreiungskriegen sah die Zugehörigkeit folgendermaßen aus:

1) Gemeinschaftliche Verwaltung durch die Siegermächte ab 12. Januar 1814 (Beschluss von Basel). Reichweiler gehörte damals zum Generalgouvernement Mittelrhein und Département Saar (Sitz Trier, später Koblenz)

2) Änderung durch den Pariser Frieden (30. Mai 1814). Reichweiler wird zusammen mit dem gesamten Gebiet rechts der Mosel einer gemeinsamen österreichisch - bayrischen Landesadministrations - Commission mit Sitz in Kreuznach, später Worms, unterstellt.

3) Territoriale Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress. Für kurze Zeit (16. Juni 1815-3. November 1815) wurde u.a. Reichweiler Preußen zugesprochen, jedoch mit der Verpflichtung, aus dem ehemaligen Saardepartement ein Gebiet von 69.000 Seelen an die Landesherren kleinerer Staaten abzutreten. So wurde Reichweiler am 11.September 1816 dem Herzog von Sachsen - Coburg zugesprochen, dessen neugegründetes Territorium am 6. März 1819 den Namen Fürstentum Lichtenberg erhielt. Reichweiler gehörte zum Amt Burglichtenberg im Kanton Baumholder, wurde am 1. Oktober 1822 mit dem Amt Berschweiler vereinigt. Der wenig beliebte Landesherr Herzog Ernst verkaufte schließlich für 2.100.000 Taler sein Fürstentum Lichtenberg durch Staatsvertrag vom 31. Mai 1834 an Preußen, in Besitz übergegangen am 22. September 1834. Aus dem Fürstentum Lichtenberg wurde der Kreis St. Wendel gebildet, in dem Reichweiler lag. Der Kreis wurde dem Regierungsbezirk Trier angegliedert.

4) Der Versailler Vertrag hatte einen neuen Saarstaat geschaffen. Von den 94 Gemeinden des Kreises St. Wendel waren 26 an das Saarland gefallen. Die restlichen, darunter auch Reichweiler, blieben bei Deutschland und bildeten nun den Restkreis St. Wendel - Baumholder (bis 1937).

5) Vereinigung des oldenburgischen Landesteils Birkenfeld mit dem Restkreis St. Wendel - Baumholder. Neue Kreisstadt wurde Birkenfeld, Regierungsbezirk Koblenz (1. April 1937).

6) Verbleib bis zur Verwaltungsreform 1969. Seit dieser Zeit gehört Reichweiler zur Verbandsgemeinde Kusel, Kreis Kusel, Regierungsbezirk Rheinhessen Pfalz, Land Rheinland - Pfalz.